Briefwechsel Eck - Übersicht Reformationsgeschichte
Nr. 170

Eck an Christoph von Stadion, Bischof von Augsburg

Ingolstadt
Frühjahr(?) 1524


Widmung Ecks in: Francisci Pici Mirandulani ac Concordiae domini, epistola apologetica pro S. Dionysio Areopagita. Ingolstadt, (Peter Appian) 1526 = METZLER Nr 55.
[F 010P]

Als sich Eck zum dritten Mal im Auftrag der bayerischen Herzöge nach Rom begab (März bis Dezember 1523), machte er beim Fürsten Pico della Mirandola Station, um mit diesem unter anderem über Dionysius Areopagita zu sprechen. Pico hat einen Brief an den Bischof von Theate herausgegeben, in dem er überzeugende Gedanken zum Areopagiten vorgetragen hat, die Eck selbst in seinem am 25-05-1519 Bischof Christoph gewidmeten Kommentar zur "Theologia mystica" übersehen hat. Daher hat Eck dafür gesorgt, daß Bischof Christoph diesen Brief jetzt gleichsam als Ergänzung zur Apologie des Areopagiten zugeschickt erhält. Der Bischof soll im übrigen nicht müde werden, gegen die Häresien vorzugehen.



Reverendissimo Patri D. Christophoro Antistiti Augustensi Ioh. Eckius S.D.

Dum iussu illustrissimi Baioariae ducum, Praesul Reverende, urbem peterem, commodum ad principem Mirandulanum diverti, ubi de communibus studijs collocuti, in Dionysium Areopagitam incidimus. Protulit ille epistolam ad Episcopum Theatinum, virum sanctimonia vitae, eruditione varia, stematibus ac dignitate (uti postea eius consuetudine Romae tempore Adriani papae, perquam familiariter usi sumus) iuxta clarum.

Hac autem epistola expensa vidimus clarißimum Comitem, pleraque attuliße robora, a nobiss in commentarijs mysticae Theologiae, T.R.P. dedicatis praetermissa, quare eam velut auctarium apologiae a nobis pro Dionysio aedite, ad te mittere curavimus.

Vale dignißime praesul, et haeresibus extirpandis, ut facere soles, invigila.

Ingoldstadij Anno gratiae M.D.XXIIII.

Dem hochwürdigsten Vater, Herrn Christoph, Bischof von Augsburg, sendet Johannes Eck seinen Gruß!

Als ich im Auftrag der erlauchtesten Herzöge von Bayern, ehrwürdiger Bischof, nach Rom reiste, machte ich kurz beim Fürsten von Mirandola Station. Als wir uns über gemeinsame Studien unterhielten, kamen wir auch auf DIONYSIUS AREOPAGITA zu sprechen. Er zeigte mir einen Brief an den Bischof von Chieti, einen Mann von frommem Lebenswandel, umfassender Bildung und außerordentlich bedeutend im Hinblick auf Herkunft und Würden (später, zur Zeit HADRIANS, machten wir uns das sehr zu nutze):

Nach Prüfung dieses Briefes aber sahen wir, daß der sehr berühmte Graf viele Anstrengungen unternommen hatte, weil dieser Brief in den Eurer hochwürdigsten Väterlichkeit gewidmeten Kommentaren zur »Mystischen Theologie« unberücksichtigt geblieben war: deshalb haben wir Sorge getragen, daß er gleichsam als Anhang zur »Apologie«, die wir zu DIONYSIUS herausgegeben haben, an Euch gesandt wird.

Lebt wohl, würdigster Bischof, und ruht nicht, das zur Ausrottung der Häresien zu tun, was Ihr bereits jetzt zu tun pflegt.

Ingolstadt, im Jahr der Gnade 1524.