Briefwechsel Eck - Übersicht Reformationsgeschichte
Nr. 201

Eck an Hg. Wilhelm von Bayern
Ingolstadt
14-04-1526



München BayHStA, Staatsverwaltung 2778, fol 172 (Autograph)
[F 039P]

Eck erinnert daran, daß er mit Erlaubnis Herzog Wilhelms an die Eidgenossen geschrieben und sich erboten hatte, gegen Zwingli in einer Disputation für den alten Glauben öffentlich einzutreten. Der beigefügte Nachdruck des Antwortschreibens der Eidgenossen zeigt jedoch, daß diese sich damit in Zürich nicht durchsetzen konnten. Nach seiner Rückkehr aus England hat er einen zweiten Brief geschrieben, der im Januar in Luzern ins Lateinische übertragen und im Druck erschienen war. Soeben hat Eck durch Boten des Konstanzer Bischofs Hugo von Hohenlandenberg zwei Briefe erhalten, einen - beigefügten - an den Herzog und einen an ihn: darin wird Eck zum 16-05-1526 nach Baden im Aargau zu einer Disputation eingeladen, an der neben zahlreichen Gelehrten und Ratsverordneten auch die Bischöfe von Konstanz, Basel, Sitten und Lausanne teilnehmen werden. Eck ist bereit, mit der Einwilligung des Herzogs in die Schweiz zu reisen. Das wird auch dem Ansehen des Herzogs als christlicher Fürst wie auch dem der Universität Ingolstadt von Nutzen sein. Die ausfallenden Vorlesungen will Eck in den Ferien nachholen. Eck bittet den Herzog, ihm für die Reise ein Pferd zur Verfügung zu stellen. Inzwischen läßt er in Augsburg ein dem polnischen König gewidmetes Buch über das Meßopfer drucken, später eins über das Fegfeuer. Da die Drucker in den Reichsstädten sich weigern, etwas gegen Luther zu drucken, wird ihn das 17 fl kosten. Er hat in den letzten sechs Jahren zweihundert fl Druckkosten zu tragen gehabt. Wie in Rom und in Regensburg will Eck auch in der Schweiz alles für die Erhaltung des alten Glaubens tun und die Eidgenossen darin bestärken.


Durchlauchtiger hochgeborner furst, E.f.g. seien meine underthänig gehorsam dinst zu voran hochstes fleiß berait.

G.h.: Als ich mit erlaubniß E.f.g. gmain aidgnosschafft zugschriben hab, bey dem alten glauben zu bleiben unnd mich erbotten vor jnn wider den ertzketzer Zwingli den selben glauben zu verfechten, das nun gmain eidgenossen nach vil underhanndlungen von denen von Zürch nit haben mögen erlangen, nach laut einligender getruckter Copey ains brieffs an mich außgangen.

Unnd als ich auß Engellant kommen bin, hab ich aber ain mal jnen zu gschriben ob dem alten ungezweifelten glauben zu halten etc., wie dann die Eidgenossen selber mein brieff zu Lucern jm Januario haben lassen jn latein vertolmetschen unnd da trucken.

Als heut aber hat mir mein g.h. von Costentz bey seinem lauffenden botten zwin brieff von gmain Eidgenossen zu geschickt, den ain an E.f.g., den ich hie mit schick, den annderen an mich, darann sij mich auff das höchst bitten, nach dem sij ain gspräch firgenommen haben zu Baden jm Ergey auff den XVI. tag Maij, darzu si IIIJ bischove berieffen mit jrem geleite, als Costentz, Basel, Wallis unnd Losan, auch all ir gelerten auß allen orten mit sampt yren verordneten ratsbotten, das ich dem waren glauben zu gut etc. auch erscheinen wöllen, mit grosser erpiettung etc.

So aber dise hanndlung got loblich unnd gantz christenlich ist unnd ich mich sollichs wider den Zwingli auß E.f.g. verwilligung erbotten, will ich mit E.f.g. erlaubniß, wol gerust unnd gefaßt, jn den materien den tag heimsuchen. Acht auch, es soll E.f.g. die berumpt würdt als ein christenlicher fürst, auch jn Eidgenossen unnd anstossenden örtern loblich sein, unnd E.f.g. universitet erschießlich, unnd dar mit nichts versaumpt werde, will ich den doctor, der sunst nach mittag lißt, am morgen an mein statt lesen lassen, unnd was ich fir lection versaum, darnach jn der vacantz erstatten. ich versaum nichts. E.f.g. darff nit sorg tragen, wie ich auff den weg hinauff khumm unnd herab. Ich wais dem allen wol zethun. Allain des kosten halb, der mir sunst groß genug würdt, wolt ich gern, das E.f.g. mir beholfen wär um ein roß zu selbes bey ainem prelaten als zu Unnderstorff oder Fürstenfelt; haben do nit vil ze schaffen. So bin ich wider vor der arbait, ee das der...an geet: Es ist mir vor wol XXIIJ fl. auff die handlung gelauffen. So laß ich yetz ain büchlin von der mess trucken, das ich K. Mt. zu Poln zu schreib. Wurt mich auch wol 9 fl. kosten, unnd darnach ains von dem fegfeur, wurt mich auch 8 fl. kosten. Si trucken jn den stetten nichts wider den Lutter, es nemm dann ainer ain anzal bücher: hab jn den 6 jaren ob CC fl. vertient. darmit will ich mich E.f.g. als meinem gnädigesten herren underthänicklich ...haben. E.f.g. soll nit zweifflen. Ich will die sach wol auffrichten, das gemain Eidgenossen ain wolgfallen sollen tragen unnd jn jrem alten glauben gestärckt. So bin ich zu Rhom, zu kurtz zu Regenspurg darbey gwesen. Ich will jm recht thun, allein das E.f.g. mir mit ainem pferd verholfen wär, das mir wär kain weiß blassen het unnd das ichs hett prima Maij hie zu Ingolstat. E.f.g. findt mich ir zu dienen auff.

Datum Ingolstat 14. April 1526.

E.f.g. underthäniger williger Caplan
Johan Eck