Briefwechsel Eck - Übersicht Reformationsgeschichte
Nr. 304

Hieronymus Aleander an Eck
Venedig
11-05-1535


Rom Bibl Vat 8075, fol 108v (Orig-Ms)

Auf die zwei Briefe Ecks, die Aleander als einzige inzwischen erhalten hat, wird er von Rom aus antworten, wohin ihn der Papst gerufen hat. Wenn er etwas beim Papst gilt, wird er auch für Eck etwas "herausholen". Da er in Eile ist, teilt er Eck nur kurz die Beschädigung und damit wohl den Totalverlust der beiden von Eck übersandten Bände mit, die zusammen mit allen seinen eigenen Büchern einem Hochwasser zum Opfer gefallen sind. Er wird jedoch aus seinem eigenen Besitz oder mit Hilfe des Papstes Eck angemessenen Ersatz für das Verlorene leisten.



D. Joanni Eckio.

Ad binas literas tuas quas solas abs te accepi, postquam inter nos non vidimus, respondebo ex urbe quo propero a summo Pontifice Paulo vocatus, apud quem, si quid auctoritate et gratia valebo, ne dubites, qui et tibi fiet sit, id futurum mihi tecum commune., quamvis et tua pia virtute et meritis amplissimis non aliena ope indigeas.

Nunc quod per temporis brevitatem respondere habeo, id est libros illos duos, quos mihi commodaveras, una cum meis omnibus e sinistro doles quo erant inclusi in Silim fluvium casu ita commaculatos et labefactatos, ut nec pes nec caput uni reddatur formae. Sed id damni omnino resarciam vel impetrato tibi a signo maiore commodo a Pontifice vel de meo. Quicquid igitur id est, boni consulo, et bene vale, mi frater.

Venetiis 11. Maij M.D.XXXV.

An Johannes Eck.

Auf die zwei einzigen Briefe, die ich von Euch, nachdem wir uns nicht mehr gesehen haben, empfangen habe, werde ich von Rom aus antworten, wohin ich auf Geheiß des Papstes PAUL III. reisen werde, bei dem ich, falls ich überhaupt in Autorität und Gunst bei ihm stehe, auch in Euren Anliegen - zweifelt nicht daran - gemeinsam mit Euch handeln werde, obgleich Ihr aufgrund Eurer Frömmigkeit und sehr großen Verdienste nicht auf fremde Hilfe angewiesen seid.

Was ich hier wegen der Kürze der Zeit antworten kann, ist, daß jene zwei Bücher, die Ihr mir anvertraut hattet, zusammen mit meiner gesamten Habe durch einen widrigen Zufall, nachdem sie nämlich vom Fluß Silis eingeschlossen wurden, so beschädigt und zerstört worden sind, daß sie nicht mehr wieder hergestellt werden können. Ich werde aber diesen Schaden wieder gutmachen entweder durch eine Euch günstige Handlung von seiten des Papstes oder aber von meiner Seite. Was das auch sei, ich bemühe mich. Lebt wohl, mein Bruder!

Venedig, den 11 Mai 1535.