Briefwechsel Eck - Übersicht Reformationsgeschichte
Nr. 315

Nikolaus Ellenbog an Eck
Ottobeuren
06-03-1536



Paris BN ms lat 8643, 3, fol 17v - 18 Nr 26
CCath 19/21 (Münster 1938), 367 Nr 26

Ellenbog ist im Ungewissen, ob Eck den Rhabarbersamen erhalten hat. Vorsichtshalber sendet er ihm neuen. Sollte er ihn nicht haben wollen, soll er seine Freunde damit erfreuen, zumindest die bayerischen Klöster. Der Klosterarzt meint, wenn man die Wurzel zerkleinere und über Nacht in ein Glas Wein schütte, das Ergebnis dann am nächsten Morgen trinkt, sei das gut für den Magen. Neuigkeiten von Eck sind in Ottobeuren stets willkommen.


Frater Nicolaus D. Ioanni Eckio S.

Quum hactenus, virorum doctissime, paratissimum te semper habuerim ad scribendum mihi, iniquum prorsus duxi, si certum ad te nuncium habens nullas tuae humanitati mitterem literas. Sanam noveris universam congregacionem nostram. Sanum et te in Domino optamus.

Misi dudum tibi semina Rebarbari; reddita autem sint an minus, incertum habeo. Quare rursum ad te dare non distuli. Tu si his opus non habes, poteris aliis fautoribus tuis communicare, maxime autem ad caenobia Bavarica transmittere. Medicus noster modis omnibus commendat radicem. Quae si in pulverem redigatur et ad pondus florini per noctem in vino infundatur, mane autem epotetur, stomachum a noxiis purgare humoribus et nedum choleram, sed et phlegma educere.

Novitates, quibus tu semper abundas, nobis insinuato.

Vale bene, humanissime perdocteque vir.

Ex Ottenpurrha sexto die Marcii 1536.

Bruder Nikolaus grüßt Johannes Eck!

Da ich Euch stets sehr bereitwillig fand, gelehrter Freund, mir zu schreiben, habe ich es mit Unruhe aufgenommen, ob ich wohl einen sicheren Boten besitze, um Euch dann keine Briefe zu schicken. Ihr sollt wissen, daß unser ganzer Konvent wohlauf ist. Wir hoffen, daß auch Ihr im Herrn wohlauf seid.

Ich habe Euch vorlängst Rhabarbersamen geschickt; ob er bei Euch angekommen ist, weiß ich nicht. Ich habe wiederum nicht gezögert, ihn Euch zu geben. Wenn Ihr ihn aber nicht braucht, könnt Ihr ihn anderen Freunden geben, vorrangig aber an bayerische Klöster. Unser Arzt empfiehlt die Wurzel auf alle Weise. In pulverisierter Form und mit einem Gewicht eines Gulden nachts in Wein geschüttet und dann morgens getrunken, reinigt er den Magen von schädlichen Säften und beseitigt nicht nur Durchfall, sondern auch zähen Schleim.

Wenn Ihr wieder Neuigkeiten habt, von denen Ihr überfließt, teilt sie uns mit!

Lebt wohl, Menschenfreund und Gelehrter!

Aus Ottoburen, 6. März 1536.