Vinzenz Pfnür     

Vgl. Aufklärung


Religion in Verruf gekommen – Heilmittel Aufklärung?
Die Bedeutung der Religion für die Gesellschaft
sdw-Workshop

In vielen Kommentaren zum Anschlag des 11. Sept. 2001 war der Tenor, daß unaufgeklärte Religion gefährlich sei. 

In einem ersten Schritt soll anhand von drei (von Sven Schiffner) herausgesuchten Beiträgen dieses Stimmungsbild verdeutlicht und die Fragestellung verschärft werden:

José Saramago, Im Namen Gottes ist das Schrecklichste erlaubt (F.A.Z. vom 21.09.2001, Nr. 220, S.52
Christoph Albrecht, Nahtoderfahrung (F.A.Z. vom 09.10.2002 / Nr. 234 S. N3)
Heinz-Joachim Fischer, Rückkehr der Religion (F.A.Z. vom 01.03.2003 Nr. 51 S.1)
Aber ist Aufklärung wirklich das probate Heilmittel?
Welche Vernunft ist es denn, auf die sich die Aufklärung beruft?
Im 20. Jh. haben sich in besonderer Weise zwei Formen von Vernunft geschichtswirksam artikuliert: 
Die totalitäre Vernunft, die nur bestimmten Gruppen der Gesellschaft Vernunft zubilligte und Millionen von Menschen Vernunft und Lebensrecht auf bestialische Weise absprach
(-> Stalinismus, Nationalsozialismus)
Die in die Beliebigkeit verschwimmende Vernunft der je einzelnen.
Neben diesen beiden Extremformen bleiben als von der Aufklärung genährte Problembereiche, die seit dem 19. Jh. in verhängnisvollerweise Weise die Geschichte Europas bestimmten:
Der Nationalismus, insofern an die Stelle Gottes als letzter Autorität nunmehr die Nation und die öffentliche Ordnung tritt.
Die Ausschließlichkeit der technischen Vernunft und die Reduzierung der Welt auf den Gebrauchswert.
Vgl. J. Ratzinger, Europa - Hoffnungen und Gefahren.
weitere Literaturhinweise:
Preul, Reiner: So wahr mir Gott helfe! Religion in der modernen Gesellschaft, Darmstadt 2003
Habermas, Jürgen: Glauben und Wissen (Dankesrede zum Friedenspreis des deutschen Buchhandels, 14. Okt. 2001
(Der Text ist im Internet zugängig: http://www.glasnost.de/docs01/011014habermas.html
Staudinger, Hugo: Christentum und Aufklärung, in: Forum Katholische Theologie 6,1990,192-206.

Auch wenn religiöse Argumentation in kurzschlüssiger Anwendung (-> Feind Gottes, -> Land Gottes) inhumane Auswirkungen hatte und noch hat, so ist damit die Frage der Bedeutung der Religion im Blick auf den Einzelnen wie auf die Gesellschaft nicht erledigt.
Schwerpunkt des Workshops soll die Diskussion dieser Bedeutung sein,
und zwar zunächst grundsätzlich:
Was begründet den Wert des einzlnen Menschen. Ist sein Wert als unantatstbar vorgegeben oder wird sein Wert durch die Gesellschaft bestimmt?
Gibt es einen Lebenssinn auch angesichts des Todes?
Ist das Personsein des Menschen (Selbstbewußtsein und Kommunikaktionsfähigkeit) positiv oder negativ zu werten (Vollendung oder Auslöschung des Personalen als Ziel?)
und dann vor allem in Konkretisierungen,
unter den Aspekten:
Freiräume des Humanen gegenüber einer Reduzierung des Menschen auf seinen Gebrauchswert
Weltweite humane Gemeinschaft gegenüber einer Verabsolutierung des Nationalen
 
Als Beispiele sollen besondere Beachtung finden:
Der Sonntag und seine humane Mitgift
(evtl.Weihnachten)
(evtl Bedeutung der Vornamen)
Das Kreuz als Symbol:
Was ist seine Aussage: Tod?, Rache?, Leben? Vergebung?
Was hat ein Autobahnkreuz mit dem Kreuz, Lehnwort des lateinischen Wortes crux (Todesgalgen) zu tun?
Wie paßt die Anrufung des dreifaltigen Gottes mit dem Zeichen des Kreuzes zusammen (-> Kreuzzeichen)?
Wie kann man im Zeichen des Kreuzes segnen?
Zum Abschluss soll das Verhältnis von Vernunft und Religion bedacht werden.


Veantwortlich für diese Seite
Vinzenz Pfnür,
letzte Aktualisierung: 6.2.2009